Der Stein des Sisyphos


Sisyphos war zeitlebens raffiniert, lebensfroh und manchmal auch ein Schlitzohr. Warum sollte es im Hades anders sein? Im 2149. Gedicht aus der Steineklopfen-Bauhütte liest sich das so:

Das Ende von Sisyphos

Nach vielen Jahren war er richtig stolz
Sisyphos war stark geworden
Vom täglichen Rollen des schweren Steins
Der Verrat von Zeus hat sich gelohnt
Seine Kinder lebten von der Quelle
Die Asopos ihm einst geschenkt


Und er, der starke Sisyphos
Durchtrainiert und ewig glücklich
Weil ihm das Rollen dieses Schicksalsteins
Ein Leichtes ward nach all der Zeit
Und auch, weil nun der Stein so glatt
So ohne Poltern talwärts sauste

Wann immer er mit flinkem Fuß
Zu Tale hüpfte und die Welt genoß
So war es ihm, als hätte Zeus ihn reich beschenkt
Wo unten seine Töchter ihn erwarteten
Mit Speiß und Trank ihn stärkten
Da fühlt er sich als junger Held


Denn später noch, nach langen Zeiten
Da zollten seine Enkelkinder ihm Respekt
Brachten neue Speisen, feinere Getränke
Auch schien es Sisyphos, er bliebe jung
Solange er den Stein bewege – und sich mit ihm
Solang er eins sei mit dem Tun


Nur manchmal, wenn er oben stand
Der Stein nach unten wieder rollte
Da sorgte er sich doch um ferne Zeiten
Was würde sein, wenn dieser Stein
Der vom Herniederrollen kleiner ward
Nur noch ein Staubkorn wäre eines Tages



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